Rechen­modell basierend auf § 32a EStG · Altersvorsorge­reform­gesetz 2026 · Stand Mai 2026 · Verordnung zum Standardprodukt ausstehendModell-Version 0.5 · Hash f73d257 · offen einsehbar ↗
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Reform 2027 · 4 min

Riester scheiterte an drei Stellen — das Altersvorsorgedepot setzt genau dort an

Warum die Riester-Rente nie funktioniert hat und welche drei Stellschrauben das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 anders dreht.

Zerknittertes Plakat Riester-Rente mit drei Zahnrädern neben einem sauberen Plakat Altersvorsorgedepot mit drei goldenen Stellschrauben

Riester scheiterte an drei Stellen — das Altersvorsorgedepot setzt genau dort an

Die Riester-Rente galt zwanzig Jahre lang als Standardantwort auf die Frage, wie man privat fürs Alter vorsorgt. Funktioniert hat sie für viele nicht. Verträge ruhten, Renditen blieben mager, und ein erheblicher Teil der staatlichen Förderung versickerte in Gebühren. Ab 2027 löst das Altersvorsorgedepot Riester schrittweise ab. Das ist nicht nur ein neuer Name — die Reform repariert drei konkrete Konstruktionsfehler. Wer versteht, welche, kann besser einschätzen, ob sich das neue Produkt für die eigene Situation lohnt.

Eine Einordnung vorab: Das Altersvorsorgereformgesetz wurde im März 2026 vom Bundestag beschlossen und im Mai 2026 vom Bundesrat gebilligt. Das Produkt startet zum 1. Januar 2027. Einzelne Details der Ausgestaltung werden bis dahin noch konkretisiert — wo das so ist, sagen wir es im Text.

Hebel 1: Die Förderung steigt deutlich

Bei Riester gab es eine pauschale Grundzulage von 175 Euro im Jahr. Das Altersvorsorgedepot ersetzt diese Pauschale durch eine gestaffelte, prozentuale Förderung:

  • Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr legt der Staat 50 Prozent obendrauf — also bis zu 180 Euro.
  • Auf den Eigenbeitrag von 360 bis 1.800 Euro kommen 25 Prozent hinzu — also bis zu weitere 360 Euro.
  • In Summe sind so bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr möglich.

Wer Kinder hat, bekommt zusätzlich eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr, solange Kindergeldanspruch besteht. Für junge Sparer unter 25 ist außerdem ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro vorgesehen.

Klingt nach einem klaren Gewinn — und für die meisten ist es das auch. Aber Vorsicht vor dem Pauschalurteil: Für Geringverdiener mit mehreren Kindern war die alte Riester-Förderung in Relation zum Eigenbeitrag teilweise großzügiger. Genau diese Gruppe sollte vor einem Wechsel rechnen statt glauben. „Höhere Förderung" stimmt im Durchschnitt — nicht für jeden Einzelfall.

Hebel 2: Die Beitragsgarantie fällt weg

Das ist der am meisten unterschätzte Punkt. Riester-Verträge mussten gesetzlich garantieren, dass am Ende der Ansparphase mindestens alle eingezahlten Beiträge plus Zulagen wieder zur Verfügung stehen. Das klingt nach Sicherheit — war aber der eigentliche Renditekiller.

Denn eine 100-Prozent-Garantie zwingt den Anbieter, den Großteil des Kapitals sicher, also kaum rentierlich anzulegen. In einer Niedrigzinsphase blieb dadurch oft nichts übrig, was den Namen Rendite verdient hätte. Die Garantie hat das Geld festgehalten, statt es arbeiten zu lassen.

Das Altersvorsorgedepot verzichtet auf diese Garantie. Das Kapital fließt direkt in Fonds und ETFs — also in den Kapitalmarkt, wo über lange Zeiträume echte Renditen entstehen. Der Hebel heißt deshalb nicht „freie Fondswahl", die gab es bei Riester im Ansatz auch. Der Hebel ist der Wegfall des Garantiezwangs.

Und hier gehört die ehrliche Kehrseite dazu: Keine Garantie bedeutet auch echtes Verlustrisiko. Wer kurz vor Renteneintritt einen Markteinbruch erwischt, hat keinen Sicherheitsanker mehr. Für lange Laufzeiten ist das historisch verkraftbar — für jemanden, der nur noch wenige Jahre bis zur Auszahlung hat, ist es eine bewusste Abwägung, keine Selbstverständlichkeit.

Hebel 3: Die Kosten werden gedeckelt

Der dritte Konstruktionsfehler von Riester waren die Kosten. Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und teure aktiv gemanagte Fonds haben einen erheblichen Teil der Förderung wieder aufgefressen. Für viele Sparer war die staatliche Zulage am Ende kaum mehr als ein Ausgleich für die Gebühren — der Staat förderte, der Anbieter kassierte.

Das Altersvorsorgedepot führt eine gesetzliche Kostenobergrenze ein. Produkte, die zu teuer sind, sollen nicht mehr förderfähig sein. Damit wird Kosteneffizienz zur Bedingung, nicht zur freiwilligen Kür.

Warum das so viel ausmacht, zeigt ein Blick auf die Bandbreite am Markt: Zwischen einem günstigen ETF-Depot mit rund 0,2 Prozent laufenden Kosten und einer teuren fondsgebundenen Lösung mit über 1,4 Prozent liegen über eine Sparlaufzeit von 30 Jahren schnell mehrere zehntausend Euro Unterschied im Endvermögen — bei identischer Einzahlung. Der gesetzliche Kostendeckel begrenzt von dieser Bandbreite allerdings nur einen Teil.

Konkret gilt der Kostendeckel von 1 % Effektivkosten pro Jahr nur für das verpflichtende Standardprodukt — im Regierungsentwurf waren noch 1,5 % vorgesehen, der Finanzausschuss senkte ihn auf 1 %. Für alle anderen Produkte greift er nicht: Garantie- und Versicherungslösungen dürfen mit 1,5 bis 2,5 % und mehr deutlich teurer sein und bleiben trotzdem staatlich gefördert. Der Deckel ist also kein allgemeiner Schutz, sondern sichert nur das Standardprodukt — wer selbst einen günstigen ETF wählt, liegt ohnehin weit darunter.

Was das für deine Entscheidung heißt

Riester ist nicht an einer großen Sache gescheitert, sondern an drei kleinen: zu niedrige Förderung, ein Garantiezwang, der die Rendite erstickt hat, und intransparente Kosten. Das Altersvorsorgedepot setzt an genau diesen drei Punkten an — mehr Förderung, mehr Renditechance durch Verzicht auf die Garantie, gedeckelte Kosten.

Das macht das neue Produkt für viele Menschen attraktiver als seinen Vorgänger. Aber „attraktiver für viele" ist nicht „richtig für jeden". Ob es sich für deine Situation rechnet, hängt von Einkommen, Kinderzahl, Alter und der gewählten Anlage ab. Genau dafür gibt es einen Rechner, der mit deinen Zahlen arbeitet statt mit Durchschnitten.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot mehr als Riester?

Für die meisten ja: höhere, gestaffelte Förderung (bis 540 € statt 175 € Grundzulage), Wegfall des renditemindernden Garantiezwangs und ein Kostendeckel fürs Standardprodukt. Für Geringverdiener mit mehreren Kindern war Riester in Relation zum Eigenbeitrag aber teilweise großzügiger — hier lohnt sich Rechnen vor dem Wechsel.

Wie funktioniert das Altersvorsorgedepot anders als Riester?

Es repariert drei Riester-Konstruktionsfehler: zu niedrige Förderung (jetzt gestaffelt bis 540 €), den Garantiezwang (entfällt — dafür volle Kapitalmarktchance, aber auch echtes Verlustrisiko) und intransparente Kosten (1 % Deckel fürs Standardprodukt).