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Reform 2027 · Vergleich · 8 min

Altersvorsorgedepot oder Rürup? Was für Selbstständige zählt

Das Depot fördert bis 1.800 € im Jahr, Rürup erlaubt einen viel höheren Steuerabzug — ist aber unflexibel. Welches Produkt für Selbstständige wann passt.

Alte Balkenwaage: links die leichtere Schale mit ETF-Spielstein, Münzen und einer Murmelkiste samt Schild „Altersvorsorgedepot – flexibel", rechts die schwerere Schale mit einem von Ketten umschlossenen Messing-Tresor „Basisrente Rürup – unstarr"; davor ein Kompass und eine handgezeichnete Wanderkarte

Altersvorsorgedepot oder Rürup? Was für Selbstständige zählt

Wer selbstständig ist, hatte bei der geförderten Altersvorsorge lange nur eine ernsthafte Option: die Rürup- oder Basisrente. Mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 kommt eine zweite hinzu — und anders als die Riester-Rente wird Rürup dadurch nicht abgelöst. Beide Produkte laufen parallel und lösen unterschiedliche Aufgaben. Dieser Text stellt sie nebeneinander und zeigt, wann welches passt — und warum die Antwort für viele Selbstständige „beides" lautet.

Eine Einordnung vorab: Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 auf Basis des Altersvorsorgereformgesetzes (Bundestag März 2026, Bundesrat Mai 2026). Einzelne Parameter werden bis dahin noch konkretisiert. Die Rürup-Regeln gelten unabhängig davon fort.

Die beiden Produkte nebeneinander

MerkmalAltersvorsorgedepotRürup / Basisrente
FörderartZulage oder Steuervorteil (Günstigerprüfung)nur Sonderausgabenabzug
Geförderter Beitrag/Jahrbis 1.800 €bis rund 29.000 € (Single), Doppeltes bei Paaren
Kinderzulageja, bis 300 € je Kindnein
AnlageFonds/ETF, frei wählbarje nach Tarif, oft Versicherungsmantel
AuszahlungKapital oder Rente (Wahlrecht)nur lebenslange Rente
Vererbbarja (Depotvermögen)nein (nur optionale Zusatzbausteine)
Kündbar / liquidebegrenzt, aber Kapital zugänglichnein — nur beitragsfrei stellen

Die Tabelle zeigt das Grundmuster: Das Depot ist das flexible, breit geförderte Kleinvolumen-Produkt, Rürup das starre, steuerlich großvolumige. Wer das verinnerlicht, hat die Entscheidung fast schon getroffen.

Förderung: 1.800 Euro Deckel gegen 29.000 Euro Abzug

Hier liegt der größte Unterschied. Das Altersvorsorgedepot fördert nur Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr — alles darüber bringt keine zusätzliche Zulage und keinen zusätzlichen Abzug mehr. Dafür ist die Förderung innerhalb dieses Rahmens dicht: gestaffelte Grundzulage bis 540 Euro, Kinderzulage obendrauf, und über die Günstigerprüfung der jeweils höhere Wert aus Zulage und Steuervorteil.

Rürup kennt diese Zulagen nicht — der einzige Hebel ist der Sonderausgabenabzug. Der ist dafür um ein Vielfaches größer: Beiträge sind bis zum Höchstbetrag von rund 29.000 Euro für Alleinstehende (das Doppelte bei zusammenveranlagten Paaren) als Altersvorsorgeaufwendungen absetzbar. Der genaue Höchstbetrag ist an den Beitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt und steigt jährlich — maßgeblich ist also der Wert des jeweiligen Beitragsjahres.

Daraus folgt die zentrale Logik für Gutverdiener: Bis 1.800 Euro Beitrag ist das Depot überlegen — es gibt dort Zulagen, die Rürup nicht hat. Wer deutlich mehr steuerbegünstigt zurücklegen will, stößt beim Depot an den Deckel und findet dieses Volumen nur bei Rürup.

Flexibilität: der Preis der hohen Rürup-Förderung

Der große Steuerabzug bei Rürup ist nicht geschenkt — er wird mit Unbeweglichkeit bezahlt. Eine Basisrente lässt sich nicht kündigen und nicht beleihen, es gibt kein Kapitalwahlrecht (die Auszahlung erfolgt ausschließlich als lebenslange monatliche Rente), und das Guthaben ist nicht frei vererbbar. Stirbt der Sparer früh, ist das Kapital ohne entsprechende Zusatzbausteine verloren. Diese Bausteine kosten wiederum Rendite.

Das Altersvorsorgedepot ist hier das Gegenteil: Du wählst bei Auszahlung zwischen Kapital und Verrentung, das Depotvermögen ist vererbbar, und im Notfall kommst du — anders als bei Rürup — an dein Kapital, auch wenn das förderschädlich sein kann. Für jemanden mit schwankendem Selbstständigen-Einkommen ist diese Zugänglichkeit oft mehr wert als ein paar Prozent zusätzlicher Steuerabzug.

Besteuerung in der Auszahlphase

Beide Produkte werden nachgelagert besteuert — die Förderung von heute erkauft Steuer von morgen. Beim Altersvorsorgedepot wird die Auszahlung mit dem persönlichen Steuersatz im Alter belegt. Bei Rürup ist die Rente eine Leibrente, deren steuerpflichtiger Anteil vom Jahr des Rentenbeginns abhängt: Er steigt jahrgangsweise an und erreicht für alle, die ab 2058 in Rente gehen, volle 100 Prozent. Wer heute mit dem Ansparen beginnt, sollte also mit einer voll steuerpflichtigen Auszahlung rechnen.

Der harte Vergleichsmaßstab bleibt in beiden Fällen das ungeförderte ETF-Depot mit seiner Teilfreistellung. Gerade bei kurzer Restlaufzeit oder hohem Steuersatz im Alter kann der schlichte ETF netto vorne liegen — die Förderung ist nie automatisch der Gewinner.

So entscheidest du — meist heißt es „beides"

Für die meisten Selbstständigen ist es keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Reihenfolge:

  1. Zuerst das Depot bis 1.800 Euro ausschöpfen. Hier sitzt die dichteste Förderung inklusive Zulagen — dieses Volumen lässt man nicht liegen.
  2. Höheres steuerbegünstigtes Volumen über Rürup, wenn du einen hohen Grenzsteuersatz hast, das Geld langfristig fest binden kannst und die Unflexibilität bewusst in Kauf nimmst.
  3. Flexibilität und Vererbung über ein freies ETF-Depot, für alles, woran du vor dem Ruhestand noch herankommen willst.

Faustregel: Depot für die Förderung, Rürup für den großen Steuerabzug, ETF für die Freiheit. Welche Mischung passt, hängt an Einkommen, Steuersatz und daran, wie sicher dein Einkommen über die nächsten Jahrzehnte ist.

Den Fördervorteil des Depots — den ersten Schritt — kannst du mit deinen Zahlen beziffern. Der Rürup-Teil liegt außerhalb dieses Rechners, weil er von Tarif und individuellem Steuersatz abhängt.

Depot-Förderung mit deinen Zahlen rechnen

Wie das Depot gegenüber dem Vorgänger Riester aufgestellt ist, liest du in Riester scheiterte an drei Stellen.

Häufige Fragen

Was passiert bei Rürup und Altersvorsorgedepot im Todesfall?

Beim Altersvorsorgedepot ist das Depotvermögen vererbbar — das Kapital bleibt erhalten. Eine Rürup-Basisrente ist dagegen nicht frei vererbbar: Stirbt der Sparer früh, ist das Kapital ohne (renditemindernde) Zusatzbausteine verloren.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot statt Rürup?

Das Depot ist das flexible, breit geförderte Kleinvolumen-Produkt (Förderung bis 1.800 € im Jahr, Zulagen, vererbbar, Kapital zugänglich). Rürup ist starr, aber steuerlich großvolumig (Abzug bis rund 29.000 € für Alleinstehende). Für viele Selbstständige lautet die Antwort „beides": zuerst das Depot bis 1.800 € ausschöpfen, höheres Volumen über Rürup.

Wie viel kann ich beim Altersvorsorgedepot einzahlen und absetzen?

Gefördert sind Beiträge bis 1.800 € im Jahr — darüber gibt es keine zusätzliche Zulage und keinen zusätzlichen Abzug. Wer deutlich mehr steuerbegünstigt zurücklegen will, findet dieses Volumen nur bei Rürup (Abzug bis rund 29.000 € für Alleinstehende, das Doppelte bei zusammenveranlagten Paaren).